Wenig Eigenkapital aber große Profiterwartungen !
Michael Wendl, Diplomsoziologe aus München, referierte zum Thema “Finanzmarktkrise, Ursachen und mögliche politische Maßnahmen“.
Eingeladen hatte die Partei DIE LINKE, Kreisverband Kaufbeuren Ostallgäu. Bei der gut besuchten Veranstaltung im Gasthof Belfort wurden viel Informationen gegeben und diskutiert.
Eingangs erläuterte der Referent, der auch Mitglied in einigen Aufsichtsräten ist, verschiedene Bilanzierungsmodelle, die bei Banken und Kapitalgesellschaften üblich sind. Dabei betonte er, dass bei den meisten Kreditinstituten die Eigenkapitalquote weniger als 10% der vergebenen Kredite ausmache und sehr viel Fremdkapital eingesetzt wird. Dazu würden häufig Kredite verkauft und Bilanzen geschönt. Die gegenseitige Versorgung mit Krediten funktioniere zur Zeit überhaupt nicht mehr, da man sich gegenseitig, wegen der aufgeflogenen „faulen Papiere“, nicht mehr über den Weg traue. Bisher konnten bis zu 36% Renditen erzielt werden, aber der Totalverlust stand eigentlich immer im Hintergrund da.
Bei den Firmenübernahmen durch ominöse Fonds wurden und werden der Großteil des Kaufpreises des feindlich übernommenen Konzerns in dessen Bilanz als Schulden eingestellt und diese Betriebe können dann schauen wie sie dies finanziell schultern. Die Folgen sind meist: der Abbau von Arbeitsplätzen und Verlagerung in Billiglohnländer usw.
Michael Wendl stellte klar, dass auf dem Kapitalmarkt keine wie auch immer geartete Wertschöpfung stattfinde. Eine solche gäbe es nur in der Realwirtschaft, also bei Produktion oder Dienstleistungen.
Die sogenannten „Leerverkäufe“
stellt der Wirtschaftsexperte anschaulich an den kürzlich
erfolgten Beispiel der Börsenkapriolen der VW-Aktien dar. Die Profiteure „leihen“ sich Aktien von Banken, zahlen diesen Leihgebühren und spekulieren mit diesen an der Börse und hoffen auf fallende Kurse, um dann die geliehenen Aktien billig zu erwerben und an die Bank zurückzugeben. Aus Verlusten werden so spekulativ Gewinne.
Den Auslöser der gegenwärtigen Finanzmarktkrise sah Michael Wendl im Finanzgebaren der US-Banken und auch im dortigen Konsumverhalten. Äußerst „windige“ Hauskredite ohne Eigenkapitalforderung führten massenweise zu geplatzten Bankgeschäften.
Die Situation in Deutschland beschrieb er als auch sehr kritisch.
Ein zusammenbrechender Außenhandel würde nicht durch einen gut funktionierenden Binnenmarkt aufgefangen werden können. Schuld seien eine seit Jahren sinkende Reallohnquote und damit eine geringe Nachfrage an Gütern und Dienstleistungen. Das von der Bundesregierung jetzt beschlossene Konjunkturprogramm sei „lächerlich“ niedrig und falsch ausgelegt. Michael Wendl forderte Mindestlöhne, Erhöhung der Hartz IV Bezüge, auch Einkaufsschecks für Geringverdienende könnten seiner Meinung nach den Binnenmarkt ankurbeln. Eine Absenkung der Mehrwertsteuer müsse aber kritisch hinterfragt werden. Von allgemeinen Steuersenkungen hielt er nichts, da dies lediglich diejenigen bevorteilen würde die eigentlich keinen Konsum-Nachholbedarf hätten.
Den Ausführungen schloss sich eine rege Diskussion an.
zusammengefasst von Peter Brosche, zum Schönberg 11, 87654 Friesenried
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| Veranstaltungsbericht_Finanzmarktkrise.doc | 22.5 KB |






